Lektion 6 – Üben

Vorbemerkung zu Lektionen 6 – 10: In diesem dritten Teil des Kurses geht es um die Weiterentwicklung deiner Fähigkeiten auf dem Alphorn. Du befasst dich mit Themen wie Ausdruck, Beweglichkeit und Höhe und lernst, wie du dich mit einem systematischen Übungsplan kontinuierlich verbessern kannst. Das Material dieses Teils kann dich über mehrere Jahre begleiten.

In dieser Lektion lernst du, wie du deine täglichen Übungseinheiten optimal gestaltest.

Übungsplan

Vielleicht hast du dich gefragt, ob du zum Alphornspielen überhaupt Talent hast? Quäle dich nicht mit solchen Fragen, denn wissenschaftliche Studien sind zu einem klaren Resultat gekommen: Entscheidend ist in allererster Linie das Üben. In der Expertisenforschung gilt heute die Daumenregel, dass du dich 10’000 Stunden mit etwas intensiv beschäftigen musst, um es zur Meisterschaft zu bringen. Das entspricht ungefähr der Vorbereitung von Sportlern bis zur Olympiareife, die Lernzeit in einem Hochschul-Studium oder eben auch die kumulative Übungszeit von professionellen Musikern (je nach Instrument auch doppelt oder dreimal soviel…). Aber keine Angst, um auf Amateur-Niveau Mitzuspielen musst du nicht fünfzehn Jahre lang zwei Stunden täglich üben. Trotzdem gelten auch hier zwei Grundsätze:

  • Regelmässig / täglich: Natürlich kannst du nach dem Lustprinzip vorgehen und dein Alphorn lediglich dann hervorholen, wenn es dir gerade passt (oder am Vorabend der Probe in der Gruppe). Bloss wirst du so bestenfalls bescheidene Fortschritte machen. Nur mit regelmässiger Übung verinnerlicht dein Körper die Abläufe und die notwendigen Muskeln entwickeln sich. Plane deshalb eine tägliche Übungseinheit fest in deinen Tagesablauf ein. Anfangs mag das ungewohnt sein, und du wirst tausend Gründe finden, warum gerade heute das Üben nicht möglich sein soll. Wenn du aber wirklich Alphorn spielen lernen willst, gehört die tägliche Praxis so zu deinem Alltag wie das Zähneputzen.
  • Qualität vor Quantität: Entscheidend zum Erfolg ist nicht nur die Übungsdauer, sondern vor allem die Effektivität des Übens. Planloses Herumgetröte ist minimal effektiv. Eine anderes Wort für tiefe Effektivität ist „Zeitverschwendung“. Vielleicht verschwendest du im Leben auch sonst deine Zeit (vor dem Fernseher, auf einem sinnlosen Job, …), aber zumindest mit dem Alphorn solltest du sie gut nutzen. Jede Minute deiner Spielzeit ist wertvoll (!!!) und soll einen maximalen Ertrag abwerfen – in Form neuer Fähigkeiten und / oder musikalischem Lustgewinn. Der Schlüssel zu hoher Effektivität ist ein zielorientiertes Vorgehen – im Fachjargon Deliberate Practice: Setze dir bei jeder Übungseinheit ein angemessenes Ziel, fokussiere dich beim Spielen auf dieses Ziel, überprüfe laufend deinen Fortschritt und bleibe dabei voll konzentriert. Wie das konkret für die verschiedenen Arten des Übens geht, erkläre ich dir weiter unten.

Wie lange du täglich üben kannst, hängt von deinem Trainingszustand ab. Spätestens wenn du die Töne nur noch mit Pressen schaffst oder du die Aufmerksamkeit verlierst (letzteres geschieht normalerweise nach 20-30 Minuten), solltest du aufhören. Bei AnfängerInnen ist vielleicht nach 10 Minuten Schluss. Über die Monate entwickeln sich Kraft und Ausdauer deiner Muskeln; dann kannst du die Einheiten langsam verlängern. Mache aber auch dann nach 20-30 Minuten eine Pause. Professionelle Blechbläser üben etwa 4 x 30 Minuten pro Tag (PianistInnen können bis zu 8 Stunden täglich herumklimpern).

Beim Üben verbesserst du drei unterschiedliche Kompetenzen: deine blastechnischen Fähigkeiten (Training), deine gestalterischen Fähigkeiten (Einstudieren) und deine Fähigkeit, über Musik Emotionen zu transportieren (wow, das ist ein gewagte Formulierung… ; aber wie auch immer, siehe unter „lustvolles Spiel“). Dein Übungsprogramm sollte für diese unterschiedlichen Bereiche separate Blöcke vorzusehen. Je ein Drittel der täglichen Übungszeit für jeden Block ist eine praktische Richtgrösse. Wenn du also täglich eine halbe Stunde übst, könnte dein Übungsplan so aussen: du beginnst mit einer Übung, bei der du während 10 Minuten eine bestimmte technische Fähigkeit trainierst (beispielsweise eine Bindeübung, oder zwei kürzere Übungen à 5 Minuten); danach studierst du während 10 Minuten ein neues Stück ein; zuletzt verbringst du 10 Minuten mit lustvollem Spiel (beispielsweise eine 10-minütige Jam-Session, bei der dich deine Tochter auf dem Schlagzeug begleitet). Variiere dieses Programm – so bleibt die Sache abwechslungsreich und interessant.

Im Zusammenhang mit der Effektivität des Übens spricht man von der (Steilheit der) Lernkurve. In der Grafik unten siehst, wie du über die Zeit Fortschritte machst. Die blaue Linie zeigt dir die typische Form einer solchen „Lernkurve“: sie verläuft anfangs steil (du machst schnell Fortschritt), dann wird sie immer flacher. Nach einer gewissen Zeit – typischerweise nach 2-3 Wochen – kommst du nur noch langsam voran. Dann ist es Zeit für einen neuen Übungsplan – in der Grafik die rote Linie. Mit ständig neuen Herausforderungen bleibst du immer im steilen Bereich deiner Lernkurve.

Stelle dir nach jeder Übungseinheit ein paar kritische Fragen: Hast du deine heutigen Ziele erreicht? Warst du beim Üben genügend gefordert (im steilen Bereich der Lernkurve), oder hast du Zeit unkonzentriert oder in der Wohlfühlzone verschwendet? Was solltest du nächstes Mal anpassen? Mit dieser kontinuierlichen Qualitätskontrolle bleibt dein Übungsplan effektiv. Manche führen dazu auch ein Übungstagebuch.

Von nun an bist du selbst für deinen Übungsplan verantwortlich! Trainiere die verschiedenen Aspekte der nächsten Lektionen, studiere neue Stücke ein und nimm dir auch Zeit für lustvolles Alphornblasen.

Weiterführende Informationen

  • Optimal Üben (Download-Link) von Susan Wiliams. Ein umfassender Ratgeber für die Praxis. Interessant ist insbesondere Kapitel II, „Die Kunst des Übens“.
  • Eine ausgezeichnete Zusammenfassung zum Thema Deliberate Practice (englisch) findest du hier.
  • Ein aktueller wissenschaftlicher Überblick von Anders Ericsson, dem Begründer der Expertisen-Theorie.

Training

Die Ziel beim täglichen Training ist der systematische Aufbau von blastechnischen Fähigkeiten. MusikerInnen können sich dabei auf Erkenntnisse der Trainingslehre aus dem Sport stützen.

  • Basis des Trainings sind kurz Tonfolgen (Bewegungseinheiten), die etwa 10-20 mal wiederholt werden.
  • Wähle Übungen aus, die dich herausfordern ohne dich zu überfordern. Trainiere im steilen Bereich deiner Lernkurve.
  • Bei jedem Durchgang konzentrierst du dich auf die Aspekte, die du in diesem Training verbessern möchtest.
  • Langsam üben! Das Ziel ist immer, jede Bewegungseinheit perfekt durchzuführen. Wenn du schludrig spielst, trainierst du deine Fehler ein. Die Basis für schnelles Spiel ist immer die mühelose Beherrschung der Bewegungsabläufe.
  • Du hörst immer aktiv mit und korrigierst umgehend und bewusst. Achte genau auf die Tonqualität und Intonation, Luftführung, die Übergänge, Lippendruck, Stabilität deines Ansatzes, Phrasierung, Dynamik, Metrum.
  • Ohne Konzentration keine Qualität! Wenn du dich dabei ertappst, dass du die Übung nur durchratterst, versuche dich wieder zu fokussieren oder brich ab.
  • Behandle auch deine Trainings-Übungen als Musik! Vom Trompeter Wynton Marsalis stammt die Forderung, man solle auch die einfachste Übung so spielen, als sei sie in musikalisches Meiserwerk. Spiele die Läufe also als klare Phrasen mit Ausdruck und Gefühl. Die Musik soll klingen.
  • Es ist sinnvoll, das Programm von einem Tag auf den nächsten zu alternieren. Beispielsweise kannst du an einem Tag den Fokus auf Geschwindigkeits-Übungen legen, am nächsten Tag auf Übungen zur Dynamik. Insbesondere nach erschöpfendem Training in der Höhe solltest du einen Tag mit lockerem Spiel einlegen. Das erlaubt den involvierten Muskeln die Regeneration und hilft dir, dich wieder zu fokussieren.
  • Behalte dein Trainingsprogramm etwa drei Wochen bei. Stelle dann ein neues Programm zusammen.

Ist das alles nur mühsam und anstrengend? Jein! Wie beim Sport ist das Training auf dem Instrument eine Sache der Disziplin – und diese fällt uns nicht immer leicht. Manchmal musst du den „inneren Schweinehund“ überwinden. Und ja, wenn du dich auf den steilen Bereich deiner Lernkurve konzentrierst, ist das eben unweigerlich herausfordernd und anstrengend. Aber es gibt auch eine andere Seite: ähnlich wie das Runner’s High im Ausdauersport kannst du beim Alphorntraining den sogenannten Flow erleben (manche sagen du bist „in the zone„). In diesem Gemütszustand scheint die Zeit stillzustehen; du gehst völlig im Üben auf, und auf einmal geschieht alles natürlich und wie von selber. Der Flow ist ein äusserst befriedigendes Erlebnis. Und die gute Nachricht: je mehr du die Grundsätze der Deliberate Practice einhältst – optimales Niveau der Herausforderung, volle Konzentration, Zielorientierung, Wiederholung, Feedback, die Übungen als Musik klingen lassen – um so eher kommst du beim Training in den Flow.

Hier findest du Noten für dein tägliches Training

  • Meine Sammlung Workout für Alphorn und Büchel. In den Praxisteilen der folgenden Lektionen werde ich immer wieder diese Übungen verwenden.
  • Jozsef Molnar’s 58 Daily Drills. Sammlung mit Begleit CD (separate Ausgabe in F und Fis). Siehe auch sein umfassendes Lehrbuch Grande Méthode de Cor des Alpes.
  • Schliesslich auch das Buzzing nicht vergessen (falls nicht schon Teil deines täglichen Warm-Up)!

Einstudieren

Das Ziel des Einstudierens neuer Stücke ist die Erweiterung deines musikalischen Repertoires. Praktisch bereitest du dich auf einen Vortrag vor – der vielleicht nur imaginär stattfindet. Dazu musst du das Stück technisch beherrschen (das Zusammensetzen der im Training erworbenen blastechnischen Fähigkeiten) und musikalisch gestalten. Auch beim Einstudieren gelten die Grundsätze der Deliberate Practice. Hier ein paar Ratschläge aus der Performance-Wissenschaft:

  • Realistische Zielsetzung und Planung: Wähle ein Stück, das deinem aktuellen Niveau entspricht. Vermeide Stücke, die dich überfordern. Du willst nicht monatelang an einem Stück herumdoktern. Vermeide Stücke mit Stellen ausserhalb deines Tonumfangs. Vermeide auch lange Stücke, die deine Ausdauer überfordern. Verschwende aber auch nicht deine Zeit mit zu einfachem und langweiligem Material. Und das Stück soll gefallen.
  • Es ist NICHT effektiv, ein neues Stück immer und immer wieder von Anfang bis Ende durchzuspielen. Gehe statt dessen zielorientiert vor: du möchtest effektiv alle Unsicherheiten ausmerzen. Unterteile dazu das Stück in Abschnitte, Phrasen und schliesslich kleine Einheiten (von vielleicht nur einem Takt). Übe dann von klein zu gross: Beginne mit einer Einheit, die du noch nicht beherrscht. Übe sie zuerst langsam, bis du sie fehlerfrei spielen kannst. Wiederhole sie 10-20 mal. Erst dann steigerst du das Tempo. Übe danach die benachbarten Takte der Phrase. Setze die Einheiten zusammen, bis die ganze Phrase flüssig sitzt. Dann machst du dasselbe mit den anderen Phrasen. Schliesslich baust du das ganze Stück zusammen. Übe dabei nochmals die Übergänge zwischen den Phrasen. Verfeinere die gestalterischen Elemente.
  • Sofortige Kontrolle ist ganz wichtig. Wenn eine Stelle nicht funktioniert, solltest du dich augenblicklich darum kümmern. Jedes Mal, wenn du die Stelle wieder falsch spielst, übst du damit den Fehler ein – und musst ihn später mit doppeltem Aufwand ausmerzen.
  • Behalte bei der technischen Einarbeitung schon das Gesamtbild im Kopf: Wie soll das Stück klingen? Und welche Rolle spielt dabei die Phrase, an der du gerade arbeitest? Die meisten klassischen MusikerInnen setzen sich dazu intensiv mit einem Stück auseinander, bevor sie es zum ersten mal auf dem Instrument spielen: Aufnahmen anhören, Rhythmus und Melodie singen (evt. mit einem Klavier die Töne suchen), Tempo und Stimmung des Stücks bestimmen. Wer diese Hausaufgaben vorher erledigt, kommt nachher schneller voran. Oft entwickelst du deine Interpretation des Stücks erst unterwegs. Dann kannst du beim Zusammensetzen der Phrasen verschiedene Spielarten ausprobieren. Gehe auch hier zielorientiert vor. Wie soll das Stück klingen, und wie erreichst du dieses Ziel? Hinterfrage dich nach jedem Durchspielen, ob das Stück auch tatsächlich so getönt hat, wie du wolltest?
  • Es kann hilfreich sein, jede Phrase auf dem Notenblatt mit kurzen Stichworten zu annotieren – das können Instruktionen sein („sanft“), Bilder („wie eine störrische Kuh“), Hinweise („Dur“/“Moll“), oder einfach Zeichen („!“). Verinnerliche diese Stichworte beim Einstudieren (denke z.B. bei jedem Durchgang „diese Phrase spiele ich jetzt ganz sanft“); dadurch schaffst du eine stabile Verbindung zwischen Phrase, mentaler Vorstellung und feinmotorischer Umsetzung. Stichworte helfen dir beim auswendig Lernen und dienen dir dann beim Vortrag als Wegweiser für die Interpretation und Sicherheitsnetz bei Aussetzern.

Weiterführende Informationen

  • In diesem Blogpost zeigt Natalie Douglas Grana, wie du dich einem Stück durch Singen annähern kannst.
  • Annotationen auf dem Notenblatt werden manchmal mit dem Konzept „Performance Cues“ beschrieben. Hier dazu eine Übersichtsstudie.

Lustvolles Spiel

Ob man das lustvolle Spiel noch zum Üben zählt oder schon als „Musizieren“ davon unterscheidet, ist eine rein semantische Frage. Klar ist, dass du wohl kaum mit Alphornblasen begonnen hast, nur um zu trainieren und neue Stücke einzustudieren.

Mit dem lustvollen Spiel verfolgst du mehrere Ziele: Da ist einmal die positive, erfüllende, sinnliche Erfahrung des Musizierens (der „Lustgewinn“). Musik macht Spass, und Spass steigert dadurch wieder die Motivation für das Training. Gleichzeitig lernst du beim Musizieren auch viel. Du entdeckst deine blastechnischen Grenzen – möglicherweise an unerwarteten Orten. Vor allem aber erfährst du, was die Musik in dir auslöst. Spiele mit offenem Ohr und offenem Herzen. Hier ein paar Möglichkeiten:

  • Repertoire. Spiele ab und zu Stücke, die du schon beherrscht. Dabei kannst du auch einmal deine Gestaltung übertrieben variieren – spiele das Stück absurd langsam oder schnell, mit extremen Akzenten, unmöglicher Dynamik etc. (diese Methode des Differential Learning kommt ursprünglich aus dem Sport, wird inzwischen auch in der Musik verwendet).
  • Blattspiel. Eine ganze Sammlung von neuen Stücken einfach durchzuspielen macht Spass. Du trainierst dabei deine Fähigkeiten im Blattlesen und lernst auch noch viel neues Material kennen.
  • Draussen spielen. Das Alphornspiel in der Natur maximiert den Lustgewinn. In einer anderen akustischen Umgebung klingen alte Stücke neu. Vielleicht spielt das Echo mit dir, oder du nimmst die Stille zwischen den Noten wahr. Ich unternehme dazu gerne ausgiebige Wanderungen in den Bergen – frische Bergluft, sportliche Verausgabung und Gipfelschnaps passen sehr gut zum Alphorn.
  • Zusammenspiel. Vielleicht schliesst du dich einer Alphorngruppe an und lernst dabei die Herausforderungen des Zusammenspiels kennen. Als Bonus (?) bekommst du dazu die sozialen Aspekt. Falls du keine MitspielerInnen findest, kannst du das Zusammenspiel mit Play-Alongs üben (siehe unten).
  • Improvisation. Weil du auf dem Alphorn nur Töne der Naturtonleiter spielen kannst, brauchst du zum Improvisieren keine Ausbildung in Harmonielehre. Du kannst „einfach loslegen“! Mehr dazu in Lektion 7.
  • Aufnahmen. Wenn du dich selber beim Alphornspielen aufnimmst, wird dich das Resultat überraschen. Ob du dazu einfach dein Handy benutzt, oder einen speziellen Recorder (ich kann den Zoom Q2n-4K empfehlen), spielt vorerst keine Rolle.

Training

Ziel der Übung: Du lernst, wie du anhand einer einfachen Übung eine effektive kleine Trainingseinheit gestaltest.

Als konkretes Beispiel zeige ich dir hier, wie du eine kurze Trainingseinheit gestalten kannst. Nehme dazu Übung #3 meiner Sammlung Workout für Alphorn und Büchel. Als erstes musst du die Übung an deinen persönlichen Tonumfang anpassen. Wenn du von g bis e2 spielen kannst, reduziert sich die Übung auf:

Versuche zuerst, die ganze Übung ein- oder zweimal durchzuspielen, um einen Gesamteindruck zu erhalten. Dabei merkst du, wo du am unsichersten bist; nimm diese Stelle, z.B. die 4. Triole, als Startpunkt:

Wähle entweder nur den aufsteigenden (links) oder den absteigenden Teil zusammen (rechts); über dabei immer bis und mit zum Anschlusston. Du kannst die beiden Teile auch kombinieren (Mitte). Spiele die kurze Folge langsam durch; finde das Tempo, in dem du sie noch gut beherrscht. Achte auf einen sauberen Klang und tadellose Übergänge. Nimm dann das Metronom und übe die Stelle in diesem Tempo 10-20 Mal exakt im Metrum; falls das fehlerfrei und sicher klappt, kannst du das Tempo in kleinen Schritten erhöhen. Nun nimmst du die vorhergehende oder nachfolgende Triole und trainierst diese wieder analog. Dann setzt du beide zusammen:

Trainiere auch diese längeren Folgen konsequent mit dem Metronom. So fährst du fort, bis die ganze Übung am Stück sitzt, immer mit dem Übungsziel im Ohr. Eventuell steigerst du dann nochmals das Tempo. Verbringe aber maximal 5-10 Minuten täglich mit einer bestimmten Übung. Für längere Trainingsblöcke nimmst du mehrere Übungen.

Wichtig: Behalte bei deinem Training immer das Ziel im Kopf! Mit derselben Übung kannst du unterschiedliche Ziele verfolgen. Hier könntest du beispielsweise auf die saubere Phrasierung (betone jede Triole klar) oder auf saubere Klänge (achte auf unkontrollierte Störgeräusche) achten. Konzentriere dich voll darauf, wie du bei jedem Durchgang deinem Trainingsziel näher kommst. Vergiss dabei nie, dass du Musik machst. Das Trainingsziel ist nur dann erreicht, wenn jeder Durchgang wie ein kleines Meisterwerk klingt.

Jetzt wo, du weist, wie du eine Trainingseinheit gestaltest, wähle deine eigene Übung und trainiere sie täglich während 2-3 Wochen. In den folgenden Lektionen werde ich verschiedene Themen ansprechen; aus denen ergeben sich jeweils Trainingsziele, die du dann mit entsprechenden Übungen verfolgen kannst. Gestalte deinen eigenen Trainingsplan entlang der oben besprochenen Grundsätze. Ich empfehle dir, den Trainingsblock jeweils gleich an den Anfang deiner täglichen Übungszeit zu legen.

Play along!

Ziel der Übung: Du entdeckst die Möglichkeiten der Play-Alongs.

Play-Alongs sind speziell für MusikschülerInnen aufgezeichnete Stücke. Beispielsweise könnte die Melodiestimme aufgezeichnet sein, und du könntest dazu die passende Begleitstimme spielen. Damit spielst du mit virtuellen MitspielerInnen zusammen. Das macht Spass, und du lernst beim Spielen zuzuhören. Ein anderer Vorteil für AnfängerInnen: du kannst dich vorerst auf die einfachere 2. Stimme konzentrieren, und hast damit mehr interessantes Notenmaterial zur Auswahl. Hier ein paar Hinweise, wie du zu Play-Alongs kommst:

  • Play-Along-Pakete: Am einfachsten sind speziell für das Play-Along aufbereitete Noten in Kombination mit dazu passendem Tonmaterial. Solche Sammlungen richten sich jeweils an ein bestimmtes spielerisches Niveau und sind darum gerade für AnfängerInnen gut geeignet. Hans-Jürg Sommer verkauft auf seiner Website sechs Play-Along Hefte für Alphorn in Fis und F. Die Edition Marc Reift hat ebenfalls verschiedene Play-Along Hefte im Angebot. Christian Gnos stellt seine Alphornnoten gleich mit Audiodateien zum Mitspielen ins Netz (allerdings leider nur in Fis). Weitere Beispiele: Manfred Haber, Franz Schüssele (verkauft ein Paket für EinsteigerInnen).
  • Zu Aufnahmen spielen: Alternativ kann man zu publizierten Aufnahmen spielen. Youtube bietet davon eine Unmenge; siehe beispielsweise die Liste von Patrick Kissling Cotti. Die Tonspur solcher Videos lässt sich einfach mit einem Converter herunterladen (ich benutze den gratis-Converter von MediaHuman). Man kann dann auch die Stimmung verändern (z.B. von Fis auf F durch Pitch-Reduktion um einen Halbton) und die Geschwindigkeit der Aufnahme ans eigene Niveau anpassen (beispielsweise mit dem gratis online Pitch-Shifter von vocalremover oder direkt auf dem Handy mit Anytune).
  • MuseScore ist eine open-source / freeware Notationssoftware mit einem eingebauten (Alphorn-)Synthesizer, der jede Partitur abspielt – in beliebiger Geschwindigkeit und Stimmung. Neben der kleinen Sammlung von Alphorn-Noten auf der Plattform kann man auch eigene Noten einlesen. Besonders erwähnenswert: Michel Fellmann teilt hier mit seinen Noten auch gleich die Musescore-Files (der Alphorn-Synth ist dort auf F-Horn eingestellt; durch Anpassung der Instrument-Settings kann alles auf Fis umgestimmt werden) . Ein MuseScore-Premium-Abo erlaubt zusätzlich den Import von Noten in pdf-Format. Aus einem pdf-Dokument wird so mit ein paar Klicks – je nach Qualität des Files – ein vollwertiges Play-Along-Paket. Wer gerne mit Software herumspielt, kann in MuseScore auch den Sampler Kontakt von Native Instruments einbinden und dort das virtuelle Alphorn von Sonokinetic integrieren – damit klingt sogar das Alphorn-Fa realistisch!

Als Freebie und praktische Übung, hier ein Play-Along, das ich mit MuseScore für das Stück Arosa produziert habe. Du findest die Noten auf der Website von Robert Ösch. Studiere die 2. Stimme ein, dann spiele sie lustvoll zu den Play-Alongs. Hier die Audio Files @ 70 bpm (d.h. mit einem Tempo von 70 Schlägen pro Minute):

F-Horn

Tutti ohne Metronom (in F)
Tutti mit Metronom (in F)
1. & 3. Stimme mit Metronom (in F)
2. Stimme mit Metronom (in F)

Fis/Ges-Horn

Tutti ohne Metronom (in Fis/Ges)
Tutti mit Metronom (in Fis/Ges)
1. & 3. Stimme mit Metronom (in Fis/Ges)
2. Stimme mit Metronom (in Fis/Ges)